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HTBLVA 1050 Spengergasse

HTBLVA 1050 Spengergasse

Das Gefüge Spengergasse / Stolberggasse ist ein heterogenes Konstrukt unterschiedlichster Bau- und Zeitstrukturen. Kontinuität meint hier nicht Durchbildung, sondern funktionale Abfolge; so liest sich der Zubau in seiner Gliederung und Materialität als verbindendes wie trennendes Element zugleich; die stark hervortretenden Geschoßdeckenbänder übernehmen scheinbar fraglos die strukturelle Logik des Bestandes, das Gebäude hinterfragt aber in seiner Materialität den eigenen Kontext und die ihm inhärente Funktion; der Baukörper nimmt sich so im Ausdruck radikal zurück, und bricht gerade dadurch das stille Getöse der Lochfassaden.

Der Entwurf für den Zubau thematisiert so Funktion und Ort. Den gründerzeitlichen Massivkonstruktionen wird ein gläsernes Schaustück entgegen gestellt. Einem übergroßen ‚Setzkasten’ gleich stellen sich die Klassen als autarke „Positionen“ dar; eine jede Teil des Gefüges, und dennoch mit eigenständigem Schaufenster; alle gleich, und dennoch anders.

Der Nutzer bespielt und zeigt, stellt sich aus, und präsentiert so das pädagogische und didaktische Programm weithin sichtbar. Die zusätzliche textile Schicht der Markisen breitet sich wie ein Filter über die innere Szenerie, als Schutz vor Sonne, wie ein „Stadtvorhang“ als selbstbestimmtes Regulativ von Aussicht und Einsicht. Innenliegende Screens ergänzen dieses Prinzip des steuerbaren Abdunkelns; sie sind Sicht- Blend-, und Sonnenschutz. Die Schule als Bühne - und andersherum als Zuschauerraum. So wird der Stadtraum zur Motivtapete, zur vierten Wand; kein gerahmtes Bild, sondern lebendige Szenerie, den Schulbau zusätzlich verortend; Transparenz, Umraum, Stadtsicht, Garten; präsente und wichtige Begleiter eines vom PC bestimmten Schulalltags.

Der neue Hof bespielt die spiegelnden Glaswände mit Reflexionen von Grün und „Landschaft“. Ein großer, abgeschlossener Garten als „hortus conclusus“, als Rückzugsraum vom Straßengeschehen. Großzügige, vollverglaste Gangwände machen den Blick frei auf das dichte Grün des Hofes, dessen Pflanzungsstruktur der klaren Orthogonalität ein organisch dynamisiertes Vokabular entgegensetzt.

Der untertags stets die Nachbargebäude leicht reflektierende „Stadtbaustein“ wird nachts zum Leuchtobjekt von starker Lumineszenz. Die großen parapethlosen Glaswände geben den Blick auf die sich stapelnden Klassen und Gemeinschaftsräume frei, und gestalten so mit großer Einfachheit und ganz un-gestisch den ihn umgebenden Stadtraum.

Daten

Wettbewerb 2006, 2. Preis

Bauherr:

BIG - Bundesimmobilien Gesellschaft

Bruttogeschossfläche:

8.050 m2

Team:

Anton Kirchweger
Robert Müller
Svenja Partheimüller